
Die Saarländische Gitarren- und Bandcoaching Akademie lädt nach Saarbrücken ein. Im Fokus der diesjährigen Ausgabe stehen das Zusammenspiel von Latin und Blues, die internationale Klasse von Ro Gebhardt, die tragende Rolle der Gitarre und ein ganz besonderes Generationenprojekt.
Saarbrücken etabliert sich einmal mehr als lebendiger Knotenpunkt der saarländisch-luxemburgischen und europäischen Musikszene. Am Sonntag, den 9. August 2026, verwandelt sich das Theater im Viertel am Landwehrplatz in eine Oase für Liebhaber anspruchsvoller Rhythmen. Das traditionsreiche Festival „Blue Music for a Blue Planet“ geht in seine 16. Runde. Unter dem programmatischen Motto „Jazz Latin and a Touch of Blues“ präsentiert die Saarländische Gitarren- und Bandcoaching Akademie ein hochkarätiges Programm, das die künstlerische Reife internationaler Virtuosen mit der unbändigen Energie junger Ausnahmetalente verbindet.
Das Programm: Facettenreiches Trio-Spiel und offene Bühne
Das Festivalprogramm ist als dreiteilige Werksschau konzipiert, die die unendlichen Ausdrucksmöglichkeiten des Jazz-Trios ausleuchtet:
- 15:00 Uhr – The Art of Trio I: Den Auftakt macht eine Formation, die für den Aufbruch und die exzellente Nachwuchsarbeit der Region steht. Die Pianistin Karolin Metzger, der Schlagzeuger Fredrik Wittig und der junge Ausnahmebassist Alec Gebhardt eröffnen das Festival mit modernen, interaktiven Jazzstrukturen, die von technischer Präzision und blindem Verständnis zeugen.
- 16:30 Uhr – The Art of Trio II: Hier übernimmt der musikalische Kopf des Festivals das Ruder. Weltklasse-Gitarrist Ro Gebhardt betritt gemeinsam mit Bastian Weinig am Bass und dem international renommierten Schlagzeuger Jean-Marc Robin die Bühne. Das Trio widmet sich komplexen Eigenkompositionen Gebhardts – darunter Stücke seines gefeierten Albums Fruit of Passion –, die geschickt mit Elementen aus Bossa Nova, packenden Samba-Grooves und melancholischem Tango durchsetzt sind.
- 18:00 Uhr – Open Stage Session: Ganz im Sinne des Akademie-Gedankens mündet das Festival in eine offene Jam-Session. Hier haben Musikerinnen und Musiker aus dem Publikum sowie Dozenten die Gelegenheit, spontan zu improvisieren und den Abend in einem kreativen Dialog ausklingen zu lassen.
Die Magie der Gitarre und Ro Gebhardts internationale Erfolge
Im Zentrum des musikalischen Geschehens steht unüberhörbar die Gitarre. Für Ro Gebhardt, der die Akademie seit Jahren leitet, ist das Instrument das ultimative Bindeglied zwischen intimer Melancholie und expressiver Kraft. Seine Fähigkeit, der Gitarre orchestrale Farben zu entlocken, hat ihm weltweite Anerkennung eingebracht. Seine Vita liest sich wie eine Reise durch die Jazz-Geschichte: Studium am Conservatoire de Musique in Luxemburg, Stipendiat am legendären Berklee College of Music in Boston bei Ikonen wie Mick Goodrick, gefolgt von Konzerten in den absoluten Tempeln des Jazz – darunter das Blue Note in New York, das Central Park Jazzfest, das Pariser Duc des Lombards und das A-Trane in Berlin. Erst kürzlich wurde sein Schaffen von der Deutschen-Pop-Stiftung mit zwei ersten Preisen im Bereich R&B/Soul sowie Jazz-Rock gewürdigt.
Grenzüberschreitende Kooperationen und familiärer Schulterschluss
Ein wesentliches Merkmal von Gebhardts Arbeit ist die tiefe Verwurzelung in der europäischen Großregion und der intensive Austausch mit frontalierten Künstlern aus Luxemburg und Italien. Diese Internationalität spiegelt sich perfekt im Line-up des Festivals wider: Der Schlagzeuger Jean-Marc Robin steht stellvertretend für jene musikalische Brücke zwischen Deutschland, Frankreich und Luxemburg, die Ro Gebhardt über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hat.
Besonders bemerkenswert für das Publikum im Jahr 2026: Das Ensemble hat sich verjüngt – und zwar aus den eigenen familiären Reihen. Alec Gebhardt, der Sohn des Bandleaders, ist inzwischen fester Bestandteil des Ensembles. Alec, der bereits 2022 als jüngster Preisträger überhaupt mit dem Kulturförderpreis ausgezeichnet wurde, hat sich vom einstigen Wunderkind zu einem gefragten Meisterbassist entwickelt. Das Zusammenspiel zwischen Vater und Sohn verleiht den dargebotenen Werken eine ganz neue, emotionale Tiefe und eine rhythmische Dichte, die man selten erlebt.
Der Eintritt zum Festival erfolgt traditionell auf Spendenbasis (Hutsammlung), was den offenen, gemeinschaftlichen Charakter dieses kulturellen Highlights unterstreicht. Ein Pflichttermin für alle, die erleben wollen, wie lebendig und grenzenlos Jazz im Jahr 2026 sein kann.
Elisa Cutullè
