Mitten im Leben: In der weiten Welt angekommen

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Die Band Staubkind schreibt 2014 schon 10 Jahre Bandgeschichte. Als im Jahr 2004 Louis Manke, Dresden verlies um nach Berlin zu fahren und dort seinen Traum der Musik auszuleben, fühlte er sich nicht entwurzelt. Er hinterließ den „Staub“, seine langjährige Freunde, und brachte seine Musik, das „Kind“, in Berlin zur Welt. Daher auch der Name der Band.

Wir haben den sympathischen Louis, in Köln vor dem Konzert getroffen und mit ihm über Erinnerungen, Träume, Wende und Musik gesprochen.

10 Jahre Staubkind: was hat sich bei den Konzerten , der Band und den Fans verändert?

Als wir damals angefangen haben, es war in der Schweiz, in Bern, hatten wir ja nur eine Platte mit 12 Liedern gemacht. Und so haben wir, als Zugabe, nochmal von vorne angefangen. Jetzt aber, nach 10Jahren, wird es schon komplizierter mit der Auswahl, da wir entscheiden müssen was wir singen und was wir weglassen.

Ich persönlich war damals sehr introvertiert und hatte viel Angst auf der Bühne und großes Lampenfieber. Textmäßig bin ich heute immer noch nicht der Beste auf der Bühne, aber damals hatte ich ganz viele Zettel auf der Bühne weil ich meine eigenen Texte nicht so drauf hatte.

Wenn ich das vergleichen kann, würde ich sagen dass ich heute freier auf der Bühne bin und alles mehr genießen kann.

Was die Band angeht ist sie für mich eine Familie. Unsere Gitarristen fluktuieren so ein bisschen. Der Rico ist 2012 gegangen, dann kam der Martin dazu und, nach ihm, der Dirk, Mal sehen wie lange er bei uns bleibt. Da er die Jungs schon kannte ging es mit der Integration relativ schnell. Am Anfange ist ein neues Bandmitglied erstmals jemand der einen Job übernimmt, aber dann wächst man schnell zusammen. Wir sind eine der wenigen Band die über 10 Jahre recht stabil geblieben ist. Es ist zwar wahr dass man nach 7-8 Jahren ständiger Zusammenarbeit schon eine richtige Crew ist, aber wir machen es nicht unseren neuen schwer.

Wir waren Vorbands (u.a. von Unheilig) und haben auch Vorband bei unseren eigenen Konzerten. Es ist immer ein geiles Gefühl: manchmal steht man vor 10.000 Leute und dann in einem Club vor 400. Wir mögen beides, aber es ist doch schon etwas anderes wenn man länger als 30 Minuten spielen kann und man weiß dass es die eigenen Fans sind, die, zuweilen, auch von weit her angereist sind.

Wir sind Staubkind, und damit meine ich die Band und die Fans. Es kann nicht die einen ohne die anderen geben. Ich bin mit ihnen im Kontakt über Facebook und über den Fan Blog und erlaube auch gerne die Fan Cams während unserer Konzerte um sie miterlaben zu lassen wie es von der Bühne aus aussieht.

Es ist immer eine Mischung zwischen Gänsehaut und sehr großen Emotionen, die man versucht zu vertuschen.

Unseren Werdegang habe ich auch in unserem Jubiläumsfotobuch zusammengefasst: es war schwer 10 Jahre Staubkind-Geschichte in wenige Seiten zu bringen, auch weil danach immer wieder die eine oder andere Erinnerung auftauchte, aber ich denke es erzählt unsere Geschichte sehr gut.

Du hast schon eine Anzahl Lieder geschrieben. Welches Lied war eine wahre Herausforderung für dich?

Es gibt zwei Sorten von Liedern di schwer zu schreiben sind und deswegen eine Herausforderung darstellen. Zum einen wenn sich der Song in eine Richtung entwickelt die man nicht in Betracht gezogen hatte und man versuchen muss an dem Song zu arbeiten um es noch auf die CD zu bekommen. Zum anderen gibt es Songs für die man, vom Inhalt her, ewig gebraucht hat. So wie Stille Tränen, Kleiner Engel oder auch So Still aus dem neuen Album, die am Anfang nicht die Aussage hatten die ich ihnen eigentlich zugedacht hatte. Diese Lieder haben wir besonders am Herz gelegen weil sie mich etwas mehr Kraft gekostet haben. Empfinden ist immer noch etwas ganz anderes als das man schreiben kann. Hier liegt die wahre Herausforderung: das nicht zu viel von dem Gefühlt das man vermitteln will in dem Buchstabensalat verloren geht.

Lieder wie Vorbei, das recht poppige Lied aus unserem letzten Album, ist nicht so megatief von der Story her und ging auch leichter von der Feder.

Es ist auch schwer zu sagen ob ich auf bestimmte Lieder am stolzesten bin. Ich bin froh dass wir, mittlerweile, so ein großes Gesamtkonzept haben und nichts konstruiert haben. Ein Staubkind zu sein, ist eine Einstellung: nicht nur für uns sondern auch für viele Fans.

Unsere Lieder sollen ermöglichen Träume zu fangen und den Alltag wegzulassen, die Möglichkeit die Augen zuzumachen und Kraft zu tanken. Auf dieses Ergebnis bin ich wirklich stolz und es gibt mir das Gefühl dass ich etwas nicht nur für mich sondern auch für andere geschafft habe.

 

Eure Alben fangen mit der erzählenden Stimme hat die die Reise einleitet. Wie ist das Konzept entstanden?

Das allererste Intro habe ich noch selber gesprochen, aber da ich die Stimme von Christian Schulte einfach liebe, habe ich ihn einmal einfach gefragt ob er sich vorstellen könnte die Intro zu sprechen. Er hat, glücklicherweise, zugesagt. So war seine Stimme auch diejenige die die Intro im 2.und 3. Album gesprochen hat. Jetzt, beim 4. Album, konnte es auch nicht anders sein da es sich um das 10-jährige Jubiläum handelte. Wir habenunsere Konzerte mit seiner Stimme angefangen und ich dacht dass es so bleiben sollte.

Staubkind ist meine Geschichte und die Intros leiten sie ein. Die Erzählerstimme stellt jemanden dar der die Geschichte mit Abstand sieht und erzählt wie man den Weg geht, wie man ankommt, weitergeht und da sein muss. Damals hatte ich Christian gefragt es so zu sprechen als ob er ein sehr alter weiser Mann sein, der auf einer Bank eines einsamen, hohen Berg sitzt und seinen Zögling in die weite Welt schickt du ihm Ratschläge gibt.

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Eine Reise die dich aus Dresden, deiner Heimat nach Berlin gebracht hat. Wie entstand die Entscheidung?

Ich hatte eigentlich schon länger Musik gemacht, aber dann bot sich die Möglichkeit es professioneller, beziehungsweise, freiberuflich in Berlin zu machen. Ich habe diese Chance wahrgenommen und seitdem denke ich dass es gut gelaufen ist, oder?

Ich habe die Entscheidung aus Dresden wegzugehen nie bereut. Ich habe meinen Beruf geliebt, und liebe ihn nach wie vor noch, aber ich bin der Meinung dass man nur eine Sache mit 100% Herzblut machen. So kam es eigentlich zu der Entscheidung.

Musikalisch war Berlin die Stadt in der ich musikalische Wurzeln schlagen konnte und auch als Gitarrist zu tun hatte. Es ist eine Stadt in der viele große Labels vertreten sind aber die vor allem musikalisch sehr aktiv ist. Es ist cool in Berlin zu leben, aber ich muss zugeben dass ich, von Zeit zu Zeit, mein Dresden vermisse. Es schlagen zwei Herzen ein meiner Brust und ich bin auch gerne wieder in Dresden.

 

Du meintest gerade du hättest schon länger Musik gemacht. Erinnerst du dich wann es eigentlich angefangen hat?

Ich bin ja in der DDR groß geworden und da habe ich angefangen im Pionierchor zu sagen. Allerdings nur 4 Wochen da ich dort wegen „schlechten Benehmens“ rausgeflogen bin. Danach war ich im Kirchenchor bis ich so 16 Jahre alt war: es waren da die Zeiten des Weihnachtsoratorium von Bach. Dann kam schon die Wende, quasi, und als erstes habe ich mir eine E-Gitarre gekauft und habe meine eigene Musik gemacht.

 

Dieses Jahr ist das 25-jährige Jubiläum des Mauerfalls. Da du gerade die Wende angesprochen hast, kannst du dich erinnern wie es damals war, am 9. November 1989?

Ich habe kürzlich wieder mit meiner Mutter über die alten Zeiten gesprochen und wie es denn so war. Genau an dem Tag wo die Mauer fiel, war ich im Kirchenchor weil wir Chorproben hatten. Damals, zu DDR Zeiten, war es ja schon so dass viele kirchliche Leute Bezug zu Westdeutschland hatten.

Ich kann mich erinnern dass wir am Samstag direkt nach dem Mauerfall nach Berlin gefahren sind und dort ganz viele Leute kennengelernt haben. Wir waren damals so viele Leute in der Stadt dass es unmöglich war einen Schlafplatz zu bekommen. Die Radios haben damals die Berliner Bürger aufgerufen Betten zur Verfügung zu stellen. So haben wir über den SFB eine Unterkunft bekommen und konnten die Tage nach dem Mauerfall direkt miterleben. Und heute, wohne in nicht weit weg von den Leuten die uns damals aufgenommen haben.

 

Es hat sich vieles geändert. Auch dein Musikgeschmack? Besuchst du gerne Konzerte?

Eigentlich ja., man hört schon andere Sachen. Früher habe ich ganz viel Heavy Metal gehört, aber das hat sich gelegt. Aber ich bin nach wie vor ein Slash Fan und werde auch demnächst wieder auf ein Konzert von ihm gehen. Das habe ich mitgenommen. Mit dem Alter bin ich etwas „ruhiger“ geworden: ich höre gerne Singer-Songwriter Musik oder Mainstream Pop. Ich war sogar eine Zeit lang, großer Christina Aguilera Fan.

Da ich ein recht offener Mensch bin, gibt es auch keine Musik die ich de-facto ablehne. Es hängt immer mit der Stimmung zusammen: Wenn man total gestresst nach Hause kommt, hört man nicht alels was kommt und hat so seine Vorlieben. Ich mache einen Unterschied zwischen „Mögen“ und „Können“: ich muss nicht alles mögen, aber ich habe großen Respekt vor Handwerk und Können. So kommt es dazu dass ich ab und zu auch Free Jazz höre, auch wenn ich davon keine CDs in meinem Musikregal haben werde.

Was die Konzerte angeht, ja, ich gehe gerne in Konzerte. Das letzte das ich besucht habe ist, glaube ich, eins von 30 Seconds to Mars: ich finde aber dass es für mich schwierig ist nicht zu arbeiten wenn man auf einem Konzert ist. Da ich mich früher auch mit Licht und Bühnendesign beschäftigt habe, schaue ich mir alles genau an und kommentiere den Ablauf in meinem Kopf. Es ist wirklich selten dass ich es schaffe „komplett abzuschalten“ und zu genießen.

 

Gibt es Künstler mit denen du gerne ein Duett singen oder kooperieren würdest?

Ich hatte schon den Wunsch mit Anna Loos von Silly etwas zusammen zu machen, aber es hat irgendwie nicht so richtig geklappt. „Als ich fortging“ mit Dirk Michaelis von der Gruppe Karussell zu singen ist auch ein Wunsch, der vielleicht auch reell machbar wäre. Als internationale wage ich mich z.Z. nicht heran: ich würde gerne aber mein Englisch ist grottenschlecht. Ich denke nicht dass sich das jemand antuen würde. Ich finde das Träume immer nah bleiben sollten.

 

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Eure Tournee bringt euch durch ganz Deutschland obwohl nicht alle Städte abgedeckt werden. Das Saarland blieb diesmal ausgeschlossen.

Es werden viele Kilometer zurückgelegt (was für eine Jahrestournee normal ist, aber es ist nicht immer leicht Termine in allen Ecken zu organisieren.

Wir arbeiten dran und versprechen alles Mögliche zu machen. Nächstes Jahr im Mai werden wir aber auch im Saarland sein. Dort werden wir am Hexentanzfestival, einem Dark Musik Festival teilnehmen.

 

Wie sieht es mit Akustikkonzerten aus?

Nach den Konzerten letztes Jahr, ein Traum der endlich wahr wurde, wollen wir nächstes Jahr auch wieder welche machen. Uns schwebt da aber etwas Besonderes vor: anstatt in die Clubs zu gehen, würden wir gerne an besonderen Orten spielen: Tropfsteinhöhlen, Bergwerke, auf Schiffen… wir sind im Prozess die Ideen zu sammeln und dann sehen wir dass wir es in die Wege leiten.

 

 

Elisa Cutullè

Fotogalerie

Staubkind- Koeln Live Music Hall 8. November 2014

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