
Die Comiczeichnerin über ihre Arbeit an The Simpsons, Looney Tunes und SpongeBob Schwammkopf sowie die Faszination klassischer Cartoons
Seit 35 Jahren arbeitet Stephanie Gladden professionell als Comiczeichnerin und Character Designerin. Im Laufe ihrer Karriere war sie an zahlreichen bekannten und renommierten Produktionen beteiligt – darunter an den Simpsons Comics sowie an Ren & Stimpy und Looney Tunes. Außerdem arbeitete sie 15 Jahre lang als Character Designerin für Cartoon Network. Im Interview spricht Gladden über ihre Anfänge, die besonderen Herausforderungen beim Zeichnen berühmter Figuren und ihre Vorfreude auf die Comic Con Stuttgart.
Stephanie, du arbeitest seit über drei Jahrzehnten professionell als Comiczeichnerin und Character Designerin. Was hat ursprünglich deine Leidenschaft für Zeichnen und Animation geweckt?
Ironischerweise wurde mein Interesse am Zeichnen vor allem durch Zeitungscomics geweckt. Ich bin damit aufgewachsen, sie in der Zeitung zu lesen, und mein Vater kaufte mir oft Taschenbuchsammlungen. Mir wurde sogar erzählt, dass ich schon „Panels“ von Comicstrips gezeichnet habe, bevor ich überhaupt schreiben konnte! In den 1990er-Jahren bekam ich schließlich die Gelegenheit, mehrere nicht signierte Looney Tunes– und Taz-Mania-Strips zu zeichnen, die in Zeitungen veröffentlicht wurden – das war großartig. Später wurde ich in die National Cartoonists Society aufgenommen und besuchte mehrere Reubens-Award-Bankette. Leider musste ich im Laufe meines Lebens mitansehen, wie das Medium der Zeitungscomics langsam verschwand.
Du hast an zahlreichen lizenzierten Comicserien gearbeitet, darunter The Simpsons, Ren & Stimpy und Looney Tunes. Was ist die besondere Herausforderung, bekannte Figuren im Stil der Originalvorlage zu zeichnen und ihnen zugleich eine eigene Dynamik zu verleihen?
Das Ziel besteht darin, die Figur „on model“ zu halten und gleichzeitig eine Lebendigkeit einzubringen, die aus meinem eigenen Zeichenstil entsteht. Da ich meine Karriere in der Animation begonnen habe, lernte ich schnell, wie wichtig es ist, sich an ein Figurendesign zu halten. Dazu gehört auch das sogenannte „Turnaround“ – also die Fähigkeit, eine Figur dreidimensional zu denken und sie aus jedem beliebigen Winkel zu zeichnen. In der Animationsgeschichte wird außerdem anerkannt, dass verschiedene Künstlerinnen und Künstler unter der Leitung einer Regisseurin oder eines Regisseurs unterschiedliche Stile einbringen. Deshalb gibt es einen gewissen Spielraum, den eigenen Stil in die Szenen einer Figur einfließen zu lassen.
Wie war es, an den Simpsons Comics zu arbeiten, und was macht den visuellen Humor der Serie für dich besonders?
Ich paraphrasiere Matt Groening, der einmal sinngemäß sagte: „In der Serie sollten wir das Unwahrscheinliche schreiben und zeichnen, aber nicht das Unmögliche.“ Genau diese Herausforderung hat mir beim Zeichnen der Simpsons Comics gefallen, denn ich wollte oft das Unmögliche zeichnen! Bei den Simpsons gibt es viele Designregeln, die ihren guten Grund haben: Sie sorgen dafür, dass Serie und Comics einheitlich aussehen. Ich habe jedoch kleine Gesichtsausdrücke und Details eingebaut, die innerhalb der Grenzen des Designs blieben und trotzdem so aussahen, als hätte ich sie gezeichnet.
Gibt es eine Figur aus The Simpsons oder einem anderen bekannten Franchise, die du besonders gerne zeichnest? Was macht diese Figur für dich interessant?
Ich konnte mich stark mit Lisa Simpson identifizieren. Sie ist eine kreative Seele in ihrer Familie, die oft missverstanden wird. Außerdem habe ich Chuck Jones’ Wile E. Coyote aus Looney Tunes immer sehr gerne gezeichnet. Da er nicht spricht, braucht er feine und abwechslungsreiche Gesichtsausdrücke, um Emotionen und Gefühle zu zeigen.
Was sind aus deiner Sicht die größten Unterschiede zwischen dem Entwurf einer Figur für eine Animationsserie und der Darstellung derselben Figur in einem Comic?
Bei einer Animationsserie fertigt die Regisseurin oder der Regisseur zunächst ein grobes Figurendesign an, das den Storyboard-Künstlerinnen und -Künstlern als Orientierung dient. Meine Aufgabe besteht darin, dieses grobe Design in eine fertige Version zu übertragen, die dem übergeordneten Look der Serie entspricht. Bei einem Comic wird die Künstlerin oder der Künstler selbst zur Regisseurin beziehungsweise zum Regisseur. Dadurch gibt es mehr Freiheit, eine Figur an die jeweilige Comicgeschichte anzupassen.
Du arbeitest seit 2020 als Character Designerin an SpongeBob Schwammkopf. Was macht die Welt von SpongeBob Schwammkopf aus künstlerischer Sicht für dich so besonders?
SpongeBob ist vielleicht eine der wenigen aktuellen Zeichentrickserien, die noch stark von den klassischen Kinocartoons aus dem Goldenen Zeitalter – von den 1930er- bis in die 1960er-Jahre – beeinflusst ist. Die Figuren und der visuelle Humor stehen sehr stark im Mittelpunkt. Diese Art von Humor und diese Sensibilität gefallen mir.
Welche Rolle spielen Conventions für deine Arbeit, und worauf freust du dich bei der Comic Con Stuttgart besonders?
Aufgrund der unvorhersehbaren Produktionspläne bei animierten Serien habe ich leider nicht die Zeit, Conventions so oft zu besuchen, wie ich gerne würde. Ich freue mich daher sehr auf die CCON und darauf, europäische Fans und Kolleginnen und Kollegen aus der Branche kennenzulernen!
CCON | Comic Con Stuttgart 2026
Die Comic Con Stuttgart findet am Samstag und Sonntag, 28. und 29. November, zum zehnten Mal statt. Auf dem Stuttgarter Messegelände erwarten nationale und internationale Comic-Verlage, Comic-Zeichnerinnen und -Zeichnern, Cosplayerinnen und Cosplayer, Hollywood-Stars, Ausstellungen, Walking Acts, Filmprops (Requisiten), Audiobooks sowie ein großer Händlerbereich die Besucherinnen und Besucher. Der Veranstalter der CCON ist seit 1992 auf dem deutschen Markt tätig, unter anderem mit den bekannten Events FedCon und MagicCon – Conventions zu den Themen SciFi und Fantasy.
Informationen gibt es regelmäßig auf der offiziellen Website unter https://www.comiccon.de
Foto: Comics, Mangas & Co.: Die Artist Alley zählt zu den Publikumsmagneten der Comic Con Stuttgart. | Bildnachweis: Frank Eppler / Messe Stuttgart
