Buddenbrooks p:reloaded: Die 68. Nordischen Filmtage Lübeck feiern Thomas Manns Meisterwerk

Anlässlich des 125. Jubiläums von Thomas Manns Nobelpreis-Roman „Buddenbrooks“ widmet sich die Retrospektive der 68. Nordischen Filmtage Lübeck (4. bis 8. November 2026) den nordischen Spuren des Meisterwerks. Unter dem Titel „Buddenbrooks p:reloaded“ zeigt die Sektion elf bedeutende Filmwerke: von skandinavischen Inspirationsquellen Manns über die erste Stummfilm-Adaption bis hin zu modernen nordischen Familiensagas.

Kaum ein Werk der Weltliteratur ist so tief in der Hansestadt verwurzelt wie Thomas Manns Debütroman. 1929 erhielt der Schriftsteller für das Epos über den Verfall einer Lübecker Kaufmannsfamilie den Nobelpreis für Literatur. 125 Jahre nach dem Erscheinen greifen die Nordischen Filmtage Lübeck dieses Erbe auf und stellen die engen Verbindungen zwischen Manns Schaffen und dem nordischen Kino in den Mittelpunkt ihres Retrospektive-Programms.

Ein Kaleidoskop nordischer Familiengeschichten

Kurator Jörg Schöning betont den engen Bezug zwischen der Literatur Thomas Manns und den Filmwerken des Nordens:

„Thomas Mann hat Motive nordischer Vorbilder in sein Epos über eine Kaufmannsfamilie einfließen lassen. Insofern bilden die Filme der Retrospektive ein Kaleidoskop nordischer Familiengeschichten und zeigen zugleich viele Parallelen zu den ‚Buddenbrooks‘. Diese scheinbar privaten Familienangelegenheiten sind vor allem deshalb interessant, weil sie auch immer Gesellschaften und ihre Konflikte widerspiegeln.“

Die Highlights des Filmprogramms

Das Programm spannt einen weiten Bogen von den literarischen Wurzeln bis zu modernen Gesellschaftsdramen:

  • Der Stummfilm-Klassiker vor Ort: Den direkten Bezug zur Heimatstadt stellt Gerhard Lamprechts Verfilmung Buddenbrooks (1923) her. Die erste Verfilmung des Romans verlegte das Geschehen in die damalige Gegenwart. In Kooperation mit der Musikhochschule Lübeck wird die farbig restaurierte Fassung mit Live-Musik von Studierenden unter Leitung von Prof. Franz Danksagmüller aufgeführt.

  • Literarische Vorbilder & Einflüsse:

    • Die Wildente (1963, Regie: Tancred Ibsen) basiert auf dem Drama von Henrik Ibsen, den Mann ehrfurchtsvoll seinen „Meister“ nannte.

    • Bjørnstjerne Bjørnsons Ein Bankrott (1979) lieferte das Motiv für den finanziellen Niedergang des Schwiegersohns Bendix Grünlich.

    • Alexander L. Kiellands Fortuna (1993) inspirierte das berühmte Schulkapitel. Die Vorführung wird durch einen Vortrag über Thomas Mann als „Schulversager“ und eine Lesung des Schauspielers Heiner Kock ergänzt.

    • Torun Lians Victoria (2013) nach Knut Hamsun zeigt die Schicksalspfade einer tragischen Liebesheldin, die Mann als Vorbild für Tony Buddenbrook diente.

  • Nordische Familiensagas & Klassiker:

    • Die Schande der Orlygssons (1920) nach Gunnar Gunnarsson markiert den Beginn des isländischen Filmemachens und wird mit neuer Filmmusik von Þórður Magnússon (gespielt von der Sinfonia Nord) präsentiert.

    • Ingmar Bergmans Meisterwerk Fanny und Alexander (1982) entfaltet ein autobiografisch geprägtes Panorama. Bergman selbst war bereits bei der ersten Festivalausgabe 1956 im Programm vertreten.

    • Der Bestseller-Erfolg Familien Gregersen (2005) erzählt als „dänische Buddenbrooks“ vom Niedergang einer Industriellenfamilie vor dem Hintergrund der dänischen Nachkriegsgeschichte.

    • Gustaf Molanders Swedenhielms (1935) zeigt eine junge Ingrid Bergman in einer ihrer frühen Rollen.

  • Erbe, Pflicht und Gier: Zwei Werke mit dem Originaltitel Arven beleuchten die Last familiären Erbes: Anja Breiens feinsinnige Satire Die Erbschaft (1979, gewürdigt in Cannes) und Per Flys preisgekröntes modernes Wirtschaftsdrama Das Erbe (2003), das die Zerrissenheit des Erben Thomas Buddenbrook in die heutige Zeit überträgt.

Kultur-Kooperation: Film trifft Museum

Ergänzend zum Filmprogramm kooperieren die Nordischen Filmtage erneut mit den Lübecker Museen. Das Buddenbrookhaus flankiert die Sektion mit der Ausstellung „Family Affairs“, die am 30. Oktober 2026 im St. Annen-Museum eröffnet wird.

Ein besonderes Highlight für Besucherinnen und Besucher: Wer ein Kinoticket der Nordischen Filmtage vorlegt, erhält im gesamten November 2026 eine Ermäßigung von 20 Prozent auf das Tagesticket der Lübecker Museen.

Festival-Details auf einen Blick

  • Veranstaltung: 68. Nordische Filmtage Lübeck

  • Zeitraum: 4. bis 8. November 2026

  • Veranstaltungsorte: u. a. CineStar Stadthalle, Filmhaus, Kommunales Kino KOKI, Theater Lübeck, Musikhochschule Lübeck

  • Weitere Informationen & Tickets: www.nordische-filmtage.de

Text und Bild von Elisa Cutullè

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