Die Kraft des Einklangs – Berlin Asian Music Festival (BAMF) feierte glanzvolle Premiere

Berlin Asian Music Festival (BAMF) 2026- Copyright Elisa Cutullè

 

Ein außergewöhnlicher Abend voller musikalischer Entdeckungen und hochrangiger internationaler Begegnungen prägte den 25. Mai in Berlin. Mit dem ersten Konzert unter dem Leitgedanken „SORI (Klang); Einklang“ feierte das neu gegründete Berlin Asian Music Festival (BAMF) einen Einstand nach Maß, der Brücken zwischen den Musikkulturen Chinas, Koreas, Japans und der Mongolei schlug.

Wie bedeutend diese interkulturelle Initiative ist, spiegelte sich nicht zuletzt im hochkarätig besetzten Publikum wider. Neben einem begeisterten Fachpublikum wohnten der Aufführung hochrangige diplomatische Vertreter bei: Ein Gesandter der Botschaft der Republik Korea teilte den Abend mit dem Botschafter der Republik Usbekistan, S.E. Dilshod Akhatov, sowie der Botschafterin der Republik der Philippinen, I.E. Maria Teresa Torres Almojuela. Durch das anspruchsvolle Programm des Abends führte der charismatische Chungil Lee, der charmant und sachkundig die Verbindungen zwischen den unterschiedlichen musikalischen Welten moderierte.

Überraschender Auftakt: Sukjong Lee setzt Maßstäbe

Der Abend hielt direkt zu Beginn eine kurzfristige Programmänderung bereit, die sich als echter künstlerischer Glücksfall erwies. Es war der Musiker und Komponist Sukjong Lee, der das Festival mit seinem Werk „Rhu“ (Fließen) eröffnete. Das Stück machte seinem Namen alle Ehre: Organisch fließende Klangstrukturen, filigrane Artikulationen und ein meisterhaftes Ausnutzung der Dynamik zogen die Zuhörer von der ersten Sekunde an in eine meditative und doch hochspannende Atmosphäre. Ein glänzender Prolog, der den Weg für die kommenden musikalischen Perspektiven ebnete.

Erster Teil: Archaische Steppenklänge und emotionale Tiefe

Im Anschluss übernahm das mongolische Ensemble KHUKH TENGER (Blue sky) die Bühne. Die Musiker Davaakhuu Gansugar (Limbe, Kehlkopfgesang) und Purevkhuu Munkhjin (Morin Khuur / Pferdekopfgeige) entführten das Publikum mit traditionellen Stücken wie „The Four Seasons“, „The Camel Step“ und „Praise of the Altai Mountain“ direkt in die Weiten Zentralasiens. Die faszinierende Kombination aus den ununterbrochenen Melodiebögen der Bambusflöte – dargeboten mit meisterhafter Zirkularatmung – und den tiefen, mystischen Obertönen des Khoomei-Gesangs hinterließ einen Raum voller Ehrfurcht.

Den lyrischen Übergang nach Korea gestaltete im Anschluss der Tenor Ju Hyeok Lee, sensibel und farbenreich begleitet von Donghun Oh am Klavier. Mit den Stücken „Entgegengehen“ und „Wenn ich allein erblühe“ von Hakjun Yoon brachte Ju Hyeok Lee eine tief empfundene Sehnsucht auf die Bühne, bei der die feinen Nuancen der Tonalität wunderbar austariert wurden.

Vor der Pause setzte das NUR Ensemble (Jihye Yoon, Siyeon Cho, Min Kim, Sihyun Ryu) ein kraftvolles Zeichen. Jaein Hwanges Komposition „May the Bird Fly“ erwies sich als dichte Paraphrase über das koreanische Volkslied „Saeya Saeya“. Das Werk nutzt den „blauen Vogel“ als Symbol des Widerstands und erhob sich unter dem präzisen Spiel des Streichquartetts dramatisch aus einer Atmosphäre der Trauer in einen hoffnungsvollen Klanghimmel.

Zweiter Teil: Vokale Intimität und schamanische Urgewalt

Nach der Pause entfaltete das facettenreiche Vokalensemble QUARTICOLO (Jingjing Xu, Ju Hyeok Lee, Jeeyoung Lim, Hikaru Kanki am Klavier und Cole Knutson am Saxophon) das ganze Spektrum ostasiatischer Liedkunst. Hier trafen feinste Nuancen aufeinander:

  • Isang Yuns „Wanderer“ spiegelte eine konzentrierte, innere Reflexion wider, während sein „MondHalo“, vorgetragen vom Bariton Jeeyoung Lim, in lyrischer Stille glänzte.
  • Die Mezzosopranistin Jingjing Xu brillierte in den chinesischen Werken, darunter Jiang Kuis „Apricot Blossoms Casting Shadows“, bei denen sie pentatonische Kunstlieder mühelos mit westlicher Gesangstechnik verschmolz.
  • Einen modernen, berührenden Höhepunkt boten die Kompositionsminiaturen der Japanerin Makiko Kinoshita („Son, You can do it!“ und „Have a good night“), in denen der Bariton im innigen Dialog mit dem Saxophon von Cole Knutson väterliche Zuneigung und Geborgenheit fühlbar machte.

Den monumentalen Abschluss des Abends bildete das gemeinsame Finale von QUARTICOLO & NUNC Akademie. Junho Kims „Mu-a“ für Solovioline und Streichorchester (3. Satz) verarbeitete mit der Solistin Soyoung Shin schamanische Rhythmen aus der Gyeonggi-Region zu einer packenden, fast ekstatischen Botschaft von Heilung und Hoffnung. Das abschließende „Boat Song“ von Dunam Cho, dargeboten in den prachtvollen traditionellen Hanbok-Kostümen von ‘Hwawoldang’, führte schließlich alle Ensembles zusammen und entließ das Publikum mit einer fließenden, sanften Melodik.

Fazit: Ein Abend, der Horizonte erweitert

Dieses erste Konzert des BAMF war ein rundum gelungener, meisterhafter Abend. Dem Festival ist es bravourös gelungen, das Unbekannte neugierig zu machen und das Unerhörte in Bewegung zu setzen. Die dargebotene musikalische Qualität und die kosmopolitische Atmosphäre machen dieses Festival schon jetzt zu einem Meilenstein im Berliner Kultursommer, der lange nachklingen wird. Ein echtes Plädoyer für den Dialog der Kulturen.

Foto: (c) Elisa Cutullè

Elisa Cutullè

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