Blutrausch an der Spree: Thomas Schreier triumphiert als Dracula in Berlin

Dracula Cast (c) Nico Moser

Eine Stadt im Bann des Unsterblichen: Während draußen die Berliner Walpurgisnacht-Feierlichkeiten ihren Lauf nahmen, öffnete sich im Stage Bluemax Theater am 1. Mai der Vorhang für eine der meistdiskutierten Musical-Produktionen des Jahres. „Dracula – Das Musical“ feierte seine Berlin-Premiere und bewies eindrucksvoll, dass der Mythos um Bram Stokers transsilvanischen Grafen auch nach über einem Jahrhundert nichts von seiner düsteren Anziehungskraft verloren hat.

Im Zentrum des Interesses stand zweifellos Thomas Schreier, der an diesem Abend die Titelrolle übernahm. Schreier lieferte eine Interpretation ab, die weit über das Klischee des blutsaugenden Monsters hinausgeht. Er präsentiert einen Dracula, der zwischen aristokratischer Erhabenheit und einer fast greifbaren, jahrhundertealten Einsamkeit schwankt. Stimmlich beherrschte er die Bühne mit einer Souveränität, die besonders in den großen Rock-Balladen von Frank Wildhorn für Gänsehaut sorgte. Sein Bariton füllte den Saal mühelos und verlieh der Figur eine emotionale Tiefe, die das Publikum sichtlich berührte.

An seiner Seite glänzte Navina Heyne als Mina Murray. Ihre Darstellung der jungen Frau, die zwischen der bürgerlichen Sicherheit Londons und der verbotenen Leidenschaft für den dunklen Grafen steht, war psychologisch fein nuanciert. Gesanglich harmonierten Schreier und Habermann perfekt, was in dramatischen Momenten wie der ewigen Jagd nach Blut und Liebe gipfelte.

Die Produktion von ShowSlot unter der Regie von Alex Balga setzt auf eine Ästhetik, die das viktorianische Erbe respektiert, aber modern interpretiert. Das Bühnenbild nutzt geschickt physische Elemente, um die Reise von den nebligen Karpaten bis in das geschäftige London des späten 19. Jahrhunderts zu illustrieren. Besonders hervorzuheben ist das Lichtdesign, das mit stimmungsvollen Akzenten eine Atmosphäre ständiger Bedrohung schafft.

Musikalisch getragen wurde der Abend von einer 8-köpfigen Live-Band. Wildhorns Partitur, eine Mischung aus orchestralem Bombast und kraftvollem Pop-Rock, wurde mit einer Präzision umgesetzt, die den Klangkörper deutlich größer wirken ließ, als er tatsächlich ist.

Auch die weiteren Rollen waren hochkarätig besetzt:

  • Philipp Dietrich als Jonathan Harker bot die nötige Erdung für die dramatische Handlung.

  • Marius Bingel als Professor Van Helsing kreierte einen entschlossenen Gegenspieler.

  • Nicole Klünsner verkörperte die vielschichtige Lucy Westenra mit großer stimmlicher Präsenz.

Das Premierenpublikum reagierte enthusiastisch auf die “Superstimmung” im Saal. Fazit: Ein Pflichttermin für Musical-Fans. „Dracula“ im Stage Bluemax ist großes, emotionales Theater, das bis zum 7. Juni 2026 in der Hauptstadt gastiert.

Comments are closed.