Marthe Donas & Alexander Archipenko – Power-Paar der Avantgarde im Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Das Bild zeigt das Werk „Zwei Frauen“ (Zwei weibliche Akte) des Künstlers Alexander Archipenko aus dem Jahr 1920. Es handelt sich um eine sogenannte Skulpto-Malerei, eine für Archipenko charakteristische Mischform, bei der Malerei und plastische Elemente zu einem reliefartigen Ganzen verschmelzen. Hier ist eine detaillierte Beschreibung: Komposition und Form Abstrakte Figuration: Die Darstellung der zwei Frauenkörper ist stark abstrahiert und folgt den Prinzipien des Kubismus und des Futurismus. Die Körper sind in geometrische Flächen, Kegelformen und kantige Segmente zerlegt. Plastizität: Das Werk ist kein flaches Gemälde. Es ragen physische Teile aus der Bildfläche heraus, wie zum Beispiel die kleine Kugel (die eine Brust symbolisiert) oder die geschichteten Holz- oder Gipsplatten, die Tiefe und echte Schatten erzeugen. Vertikalität: Die Komposition ist stark vertikal ausgerichtet. Die beiden Figuren scheinen ineinander verschlungen oder eng nebeneinanderstehend zu sein, wobei ihre Konturen teilweise miteinander verschmelzen. Farbgestaltung und Textur Farbpalette: Archipenko verwendet eine warme, erdige Palette. Man sieht Töne von Ocker, Terrakotta, Rostrot und sanftem Rosa, die mit kühleren Graublau- und dunklen Grüntönen kontrastiert werden. Licht und Schatten: Neben den echten Schatten der Reliefstruktur nutzt der Künstler gemalte Lichtverläufe (Chiaroscuro), um zusätzliche Dynamik und Volumen vorzutäuschen. Muster: In den Hintergrundbereichen sind punktierte Strukturen und wellenförmige Linien zu erkennen, die dem ansonsten streng geometrischen Werk eine organische Note verleihen. Stilistische Einordnung Das Bild ist ein herausragendes Beispiel für die klassische Moderne. Archipenko bricht hier mit der traditionellen Trennung von Bildhauerei und Malerei. Besonders auffällig ist die Verwendung von Negativräumen (Hohlräumen), um Volumen zu definieren – ein revolutionärer Ansatz in der Bildhauerei jener Zeit.

Das Saarlandmuseum präsentiert in Kooperation mit dem Königlichen Museum der Schönen Künste Antwerpen (KMSKA) vom 7. Februar bis 17. Mai 2026 die Ausstellung Marthe Donas & Alexander Archipenko – Power-Paar der Avantgarde. Gezeigt werden rund 120 hochkarätige Werke, darunter etwa 60 Leihgaben aus bedeutenden Museen und Privatsammlungen Europas und der USA. Die Werkschau vergegenwärtigt das fruchtbare Zusammenwirken des Künstlerpaars während der Jahre 1917 bis 1920 und offenbart zudem dessen Verdienste um die Wiederbelebung des kosmopolitischen Künstlerkreises La Section d’Or nach dem Ende des Ersten Weltkriegs. Zu den Highlights zählen Werke, die auf unterschiedliche Weise die hergebrachten Grenzen des Tafelbilds sprengten: sowohl die revolutionären shaped canvases der Malerin Donas als auch die spektakulären sculpto-peintures des Bildhauers Archipenko erweisen den Beitrag beider Künstlerpersönlichkeiten zur Avantgarde ihrer Zeit.

 

Die belgische Malerin Marthe Donas (* 26. Oktober 1885 in Antwerpen, † 31. Januar 1967 in Audregnies, Gemeinde Quiévrain) und der ukrainische Bildhauer Alexander Archipenko (* 30. Mai 1887 in Kiew, † 25. Februar 1964 in New York) lernten sich 1917 in Cimiez nahe Nizza kennen. Im höchst unkonventionellen Umgang mit Farbe, Form und Volumen entwickelte das Paar nicht nur neue Varianten kubistischer Bildkonzeption, sondern war maßgeblich am Aufleben der 1919 wiederbegründeten Section d´Or [Der Goldene Schnitt] beteiligt. Mit einer Handvoll französischer sowie ukrainisch- und russischstämmiger Kubisten bestand der Pariser Kreis aus einer bunten Mischung von Nationalitäten und – für die damalige Zeit bemerkenswert – aus zahlreichen Frauen. Manche traten unter französischen und männlich klingenden Pseudonymen auf. La Section d´Or entwickelte sich, nicht zuletzt wegen der europaweiten Netzwerke Archipenkos, zu einer einflussreichen Avantgarde-Bewegung, in der „Tour Donas“ [Marthe Donas’ Pseudonym] als zentrale Verbindungsperson zur niederländischen De-Stijl-Bewegung mit Theo van Doesburg und Piet Mondrian in Erscheinung trat. Trotz ihres zeitweise spektakulären Erfolgs geriet Marthe Donas bereits in den Folgejahrzehnten in Vergessenheit, wohingegen Alexander Archipenkos Ruhm bis heute andauert.

Die Zusammenarbeit zwischen dem KMSKA und der Modernen Galerie im Rahmen dieses Projekts verdankt sich dem Umstand, dass Alexander Archipenko Anfang der 1960er Jahre das Saarlandmuseum zum Erben von über 100 seiner Originalgipse aus allen Schaffensphasen bestimmte. Zahlreiche Skulpturen aus diesem kostbaren Bestand sind an beiden Standorten zu sehen. Im KMSKA wurde die Ausstellung in einer erweiterten Fassung unter dem Titel Enchanted Modernism. Donas, Archipenko & La Section d´Or vom 5. Oktober 2025 bis zum 11. Januar 2026 präsentiert.

Die Ausstellung wird von einem umfangreichen Vermittlungsprogramm sowie einem reich bebilderten Katalog mit zahlreichen Beiträgen internationaler Fachwissenschaftler (in niederländisch- und englischsprachiger Ausgabe) begleitet.

Bild: „Zwei Frauen“ (Zwei weibliche Akte) des Künstlers Alexander Archipenko

 

 

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