
Zum zweiten Mal ist KISU Teil des Kpop Revolution – und man spürt sofort, wie sehr sich der Künstler in den letzten Jahren entwickelt hat. Früher Mitglied der Boygroup 24K, steht er heute als unabhängiger Solo-Artist auf der Bühne: als Songwriter, Komponist, Produzent und kreativer Kopf hinter seiner eigenen Vision. Doch bei allem künstlerischen Anspruch bleibt KISU vor allem eines: authentisch. Humorvoll. Nahbar. Und seinen europäischen Fans tief verbunden.
Während deiner Idol-Zeit bei 24K hast du einmal gesagt, dass du dich stimmlich eingeschränkt gefühlt hast – durch einen eher „verzierten“ Stil. Wie würdest du heute deine ehrliche Stimme beschreiben? Und wie hört man das in Face&Pace?
Damals war meine Stimme sehr jung. Ich hatte weniger Lebenserfahrung, weniger emotionale Tiefe. Als Idol gibt es bestimmte Erwartungen – wie ein Song klingen soll, wie Emotionen transportiert werden sollen. Man singt manchmal nicht nur aus sich selbst heraus, sondern auch aus einem Konzept. Heute ist das anders. Ich habe viel erlebt – schöne Momente, schwierige Zeiten, persönliche Veränderungen. Meine Stimme ist reifer geworden, stabiler, aber vor allem ehrlicher.
Früher habe ich vielleicht versucht, Gefühle „schön“ klingen zu lassen. Heute will ich, dass sie echt klingen. Wenn eine Stelle verletzlich ist, dann darf sie auch verletzlich sein. Wenn sie kraftvoll ist, dann kommt diese Kraft aus meinem Inneren.In Face&Pace steckt genau das. Der Song trägt meine persönlichen Erfahrungen. Ich achte nicht mehr nur auf Technik oder Perfektion – sondern darauf, dass jede Zeile das widerspiegelt, was ich wirklich empfinde. Ich glaube, das spüren die Fans.
Du schreibst, komponierst und inszenierst deine Projekte selbst. Wie schaffst du es, zwischen dem „Regisseur“ und dem „Künstler“ zu wechseln?
Eigentlich wechsle ich gar nicht. Viele denken, das seien zwei unterschiedliche Rollen – aber für mich ist es dieselbe Person. Der Regisseur ist KISU. Der Sänger ist KISU. Backstage-KISU und Bühnen-KISU sind identisch. Wenn ich an einem Song arbeite, denke ich zuerst an die große Vision: Welche Geschichte will ich erzählen? Welche Atmosphäre brauche ich? Das ist der „Director“-Moment.
Wenn ich dann im Studio stehe und aufnehme, gehe ich komplett ins Gefühl. Aber ich verliere nie die Verbindung zur Vision. Beides gehört zusammen. Ich glaube, weil alles aus derselben Identität kommt, wirkt meine Musik geschlossen und ehrlich. Ich spiele keine Rolle – ich erzähle meine eigene Geschichte.
Du warst mehrfach in Deutschland und Europa unterwegs. Welche Bedeutung haben deine deutschen Fans für dich?
Eine sehr große. Wirklich. Deutsche Fans hören genau zu. Sie verfolgen Tourdaten aufmerksam, kennen Texte, reagieren sensibel auf Details. Ich spüre, dass sie die Musik nicht nur konsumieren, sondern verstehen wollen. Das berührt mich. Und auch wenn ich manchmal über meine deutsche Aussprache lache (lacht), bekomme ich immer so viel Unterstützung. Diese Loyalität ist nicht selbstverständlich. Wenn ich wieder nach Deutschland komme, habe ich nicht das Gefühl, einfach nur aufzutreten – ich habe das Gefühl, zurückzukehren. Das ist etwas ganz Besonderes.
Dies ist deine zweite Teilnahme am Kpop Revolution. Was bedeutet dir das?
Beim ersten Mal war alles aufregend und neu. Jetzt komme ich mit mehr Lebenserfahrung zurück Kpop Revolution ist für mich nicht nur ein Event, sondern ein Ort der Begegnung. Man sieht Fans wieder, spürt Wachstum – sowohl beim Publikum als auch bei sich selbst. Jedes Mal stehe ich auf der Bühne mit einer Stimme, die wirklich meine eigene ist. Und ich freue mich darauf, genau das zu teilen.
Elisa Cutullè
