
K-Pop verzeichnet im deutschsprachigen Raum eine außergewöhnlich hohe und stetig wachsende Fanbase. Große Events, ausverkaufte Shows und eine starke Community zeigen deutlich: Das Genre ist längst im Mainstream angekommen.
Ein weiteres Zeichen für diesen Erfolg ist, dass Semmel Concerts künftig einen Tribute-Shop rund um K-Pop Demon Hunters plant – ein klares Signal für die enorme Nachfrage und Popularität.
Mitten in diesem Boom war bei der K-Pop Revolution 2 in Mainz auch Andrew Choi zu Gast. Bekannt wurde er einem breiteren Publikum durch K-pop Star, bevor er sich als Songwriter und Vocal Producer einen Namen machte. Durch KPop Demon Hunters rückte er zuletzt stärker selbst ins Rampenlicht.
An beiden Tagen des Events nahm sich Choi Zeit für eine Panel-Diskussion sowie eine eindrucksvolle Live-Performance.
Hier das vollständige Interview:
Was war für dich der schwierigste Schritt vom Songwriter im Hintergrund hin zum Künstler im Rampenlicht?
Wenn man 15 Jahre im Studio verbringt und Songs für andere schreibt, gewöhnt man sich daran, unsichtbar zu sein. Man konzentriert sich nur auf Klang, Struktur, Details. Sozial gesehen wird man fast ein wenig zurückgezogen. Plötzlich steht man auf einer Bühne, gibt Interviews und hat Fans, die einen persönlich ansprechen. Das ist überwältigend. Nach dem Erfolg von K-Pop Demon Hunters wurden wir quasi über Nacht sichtbarer. Es ist wunderschön, aber auch ungewohnt. Man muss erst lernen, wie man mit dieser Aufmerksamkeit umgeht und seine Dankbarkeit richtig ausdrückt.
Inwiefern hat dich die Arbeit für einen Film – bei der man stärker schauspielern muss – als Künstler verändert?
Beim Singen für einen Film geht es nicht nur um Technik, sondern darum, eine Figur glaubwürdig zu verkörpern. Ich habe gelernt, dass selbst kleinste Nuancen – wie man ein einziges Wort singt – die gesamte emotionale Wirkung verändern können. Heute denke ich bei jedem Wort bewusst darüber nach, was ich ausdrücken möchte. Das hat mein Songwriting viel emotionaler und tiefer gemacht.
Was hat sich in der Konstruktion von K-Pop-Songs in den letzten zehn Jahren am stärksten verändert?
K-Pop ist heute viel internationaler. Das ist großartig. Aber um ein weltweites Publikum zu erreichen, orientieren sich viele Produktionen stärker am westlichen Pop-Markt. Dadurch wird manches zugänglicher, aber manchmal geht auch ein Stück der ursprünglichen Identität verloren. Früher waren die Songs experimenteller, mutiger und oft überraschender aufgebaut. Die Balance zwischen globalem Erfolg und eigener Klangfarbe ist heute die größte Herausforderung.
Schreibst du für eine bestimmte Stimme oder entscheidet die Melodie, wer den Song am Ende singt?
Oft bekommen wir zuerst einen Instrumental-Track. Dieser gibt sofort eine bestimmte Stimmung vor. Ich beginne dann, Melodien darüber zu improvisieren, bis ich das Gefühl habe, die Emotion des Tracks eingefangen zu haben. Manchmal habe ich dabei eine bestimmte Stimme im Kopf. Aber häufig entscheidet die Melodie selbst, zu welchem Künstler sie am besten passt.
Elisa Cutullè
