Ausstellung: Max Slevogt und sein Verleger Bruno Cassirer

Dieses Werk von Max Slevogt ist eine lebendige und dynamische Vorzeichnung für seine Illustrationen zu „Ali Baba und die vierzig Räuber“. Trotz des kleinen Formats entfaltet die Szene eine bemerkenswerte narrative Kraft.

Bildaufbau und Komposition
Die Komposition wird von der dominanten Figur des Räuberhauptmanns auf der linken Seite bestimmt. Er steht erhöht auf einem Felsen oder Erdhügel, was seine autoritäre Stellung unterstreicht. Seine Pose ist theatralisch und voller Tatendrang: Der rechte Arm ist steil nach oben gereckt, der Zeigefinger weist zum Himmel – eine Geste des Befehls oder der Beschwörung.

Ihm gegenüber, im unteren rechten Quadranten, drängen sich die Köpfe der Räuber zusammen. Sie blicken zu ihrem Anführer auf, wobei ihre Gesichter nur skizzenhaft, aber dennoch charaktervoll angedeutet sind. Diese diagonale Spannung zwischen dem erhöhten Anführer und der lauschenden Gruppe verleiht dem Bild eine starke Richtungsdynamik.

Farbigkeit und Technik
Slevogt nutzt eine Kombination aus Tuschezeichnung und Gouache, die dem Bild einen skizzenhaften, fast impressionistischen Charakter verleiht:

Licht und Schatten: Der Hintergrund ist in tiefen Blau- und Violetttönen gehalten, was an eine nächtliche Szene oder die Dämmerung erinnert. Ein heller Kreis oben rechts deutet den Mond an, dessen fahles Licht die Szenerie beleuchtet.

Akzentuierung: Der Hauptmann ist farblich hervorgehoben. Sein Gewand in kräftigem Magenta und Violett hebt ihn deutlich vom kühleren Hintergrund ab.

Dynamik: Die schrägen, fast regenähnlichen Pinselstriche im Hintergrund verstärken das Gefühl von Bewegung und Unruhe. Die weißen Akzente (Deckweiß) setzen gezielte Lichtpunkte auf die Turbane und die Kleidung, was der flächigen Gouache Tiefe verleiht.

Ausdruck und Wirkung
Typisch für Slevogts Illustrationsstil ist die Vermeidung von statischer Ruhe. Alles an diesem Bild wirkt flüchtig und augenblicklich. Der Strich ist nervös und schnell, was die Spannung der literarischen Vorlage perfekt einfängt. Man meint fast, das Murmeln der Räuber und die laute Stimme des Hauptmanns zu hören, der gerade das berühmte „Sesam, öffne dich“ oder einen taktischen Befehl ausspricht.

Das Werk zeigt eindrucksvoll, wie Slevogt mit wenigen, sicheren Strichen eine ganze Atmosphäre aufbauen kann, ohne sich in Details zu verlieren.

28.März bis 5. Juli 2026
Saarlandmuseum – Moderne Galerie

Die Moderne Galerie des Saarlandmuseums rückt mit Auf zu neuen Werken! Max Slevogt und sein Verleger Bruno Cassirer eine bisher wenig bekannte Seite des impressionistischen Künstlers Max Slevogt in den Fokus: sein Wirken als Illustrator. Slevogt wurde von seinen Zeitgenossen als »König der Illustration« hoch geschätzt. Diesen Ruf verdankte er vor allem den über 50 illustrierten Büchern und druckgrafischen Mappen, die zwischen 1903 und 1928 im Verlag des einflussreichen Verlegers Bruno Cassirer erschienen. Die Ausstellung widmet sich erstmals der einzigartigen und überaus erfolgreichen Zusammenarbeit dieser beiden Persönlichkeiten. Die Schau wird von der Kulturstiftung der Länder gefördert und ist eine Forschungskooperation des Saarlandmuseums – Moderne Galerie mit dem Landesmuseum Mainz (GDKE) und dem Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz/Landesbibliothek Speyer.
Begleitend gibt die Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz im Deutschen Kunstverlag einen Katalog mit 256 Seiten und über 150 Abbildungen sowie eine wissenschaftliche Edition des umfangreichen Schriftwechsels zwischen Künstler und Verlag mit 300 Seiten und 18 Abbildungen heraus. Die Ausstellung wird von einem vielfältigen Vermittlungsprogramm begleitet.

 

Bild: Max Slevogt, Der Hauptmann spricht zu den Räubern (Vorzeichnung zu „Ali Baba“), um 1898-1903, Gouache über Feder in Tusche, Deckweißhöhungen, 15 x 11,5 cm, Saarlandmuseum Saarbrücken

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