Lucio Corsi: Die Reise zur Liedfindung

Cover singolo Volo essere un duro, Lucio Corsi

Der toskanische Singer-Songwriter bringt sein visionäres Universum nach Europa.

Singer-Songwriter, Musiker und Autor, einer der markantesten Vertreter der neuen italienischen Szene: Lucio Corsi (Jahrgang 1993) hat sich im Laufe der Jahre einen einzigartigen Weg erarbeitet – irgendwo zwischen klassischem Songwriting, Glam Rock und fantastischer Erzählkunst. Geboren in der Maremma, hat Corsi die Vorstellungskraft – geprägt von Symbolen, Figuren und inneren Landschaften – zu einem der prägenden Merkmale seines Schreibens gemacht, verbunden mit einer tiefen Aufmerksamkeit für die italienische Sprache und für die Live-Dimension.

Sein aktuelles Live-Projekt „La chitarra nella roccia“ stellt die Essenz des Konzerts als Ritual in den Mittelpunkt: die Band, die direkte Beziehung zum Publikum, die Idee der Bühne als Ort des Erzählens und der Verwandlung. Eine Show, die die musikalische und theatrale Geste ohne überflüssige Vermittlungen hervorhebt.

Lucio Corsi will dieses Universum auch über die italienischen Grenzen hinaus zu tragen. Mit einer Tour vom bis 15. Februar wird er u.a. die Schweiz,  Deutschland, Luxembourg und Frankreich besuchen – und damit seine erste echte Europatournee absolvieren.

Wir haben mir ihm über seine Tour gesprochen.

Du stehst kurz davor, nach Deutschland zu kommen – in einen kulturellen Kontext mit einer langen Tradition des konzeptuellen und theatralischen Songwritings. Wie fühlst du dich angesichts dieses Vergleichs? Glaubst du, man wird dich eher als Figur oder als Musiker wahrnehmen?
Das weiß ich noch nicht, und genau das macht mich am neugierigsten. Ich bin gespannt darauf, den Menschen während des Konzerts ins Gesicht zu schauen, zu sehen, wie sie auf die Show reagieren, und zu verstehen, was wirklich ankommt. Es ist eine völlige Entdeckung.

Es ist auch deine erste Europatournee.
Ja, das erste Mal. Ich bin sehr neugierig und sehr glücklich. Ich weiß wirklich nicht, was mich erwartet, und das spornt mich enorm an. Ich kann es kaum erwarten, dass es losgeht – ich würde am liebsten heute Abend schon abreisen. Es ist in jeder Hinsicht eine neue Erfahrung.

Deine Arbeit steht stark im Dialog mit Imagination und Symbolik. Welche Art von Beziehung erwartest du zu einem Publikum, das in einer oft als rationaler geltenden Kultur aufgewachsen ist, wie der deutschsprachigen?
Das ist eine interessante Frage, und genau das möchte ich herausfinden. Tatsächlich bin ich auch auf der Suche nach Inspirationen: neuen Blickwinkeln, neuen Impulsen, Dingen, die einem ein bisschen den Kopf durcheinanderbringen und einen zu neuen Liedern führen. Diese Europareise erlebe ich auch so – als eine Gelegenheit zur Entdeckung.

Also das Reisen als Teil des kreativen Prozesses?
Genau. Es hilft mir, neue Ideen, neue Anregungen, neuen positiven Druck und neue Orte zu finden. Ich habe große Lust, wieder zu schreiben – aber mit neuen Dingen im Kopf. Und dafür ist das Reisen fundamental.

Glaubst du, dass sich die Art, wie du deine Songs präsentierst, außerhalb Italiens verändern wird? Oder meinst du, dass es keine wirkliche kulturelle Distanz gibt?
Die Lieder werden dieselben sein, die ich schon seit einiger Zeit spiele, und sie werden auf Italienisch gesungen, ohne Unterschiede. Auch die Besetzung bleibt ähnlich: Wir sind zu sechst, vielleicht in einer etwas reduzierteren Form. Es wird keine strukturellen Veränderungen geben – die Songs bleiben dieselben.

In einer Zeit, in der viele Künstler auf Englisch singen, um über nationale Grenzen hinauszukommen, schreibst du weiterhin auf Italienisch. Fühlst du dich damit gegen den Strom?
Eigentlich habe ich es nie in diesen Kategorien gedacht. Ich liebe einfach, wie die italienische Sprache klingt. Ich liebe den Moment des Schreibens: Italienisch bietet unzählige Möglichkeiten, ein und dieselbe Sache auszudrücken, und das eröffnet unendliche Möglichkeiten – rhythmisch wie klanglich. Die Konsonanten, die Vokale, der Rhythmus der Sätze: Für mich ist das ein wunderschönes Spiel.

Quasi ein Spiel?
Ja, wenn ich einen Text schreibe, wird es wirklich zu einem Spiel, zu einem Rätsel. Ich hänge sehr an diesem Moment, an dieser Beziehung zur italienischen Sprache. Auf Englisch zu schreiben würde bedeuten, wirklich darin zu leben, es jeden Tag zu sprechen und seine tiefsten Nuancen zu erfassen. Nur so, denke ich, kann man wirklich in einer anderen Sprache schreiben. Und ich habe im Moment das Gefühl, dass Italienisch mein Ort ist.

 

Zürich (Volkshaus)                                        01.02.2026

Berlin (Heimathafen Neukölln)              07.02.2026

Luxembourg (Den Atelier)                         11.02.2026

Paris (Elysée Montmartre)                        15.02.2026

 

Elisa Cutullè

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