
Was bedeutet Offenheit in Zeiten politischen Drucks, wachsender rechter Einflussnahme und zunehmender Verunsicherung? Diese Frage stand im Zentrum der Podiumsdiskussion „Offen bleiben! Wie Kulturräume Demokratie verteidigen“, die am 10.1.2026 im Rahmen des 47. Filmfestivals Max Ophüls Preis stattfand.
Kulturinstitutionen sind im Saarland tief verankert – und zugleich zunehmend gefordert. Förderungen werden infrage gestellt, Mitarbeitende stehen unter Druck, Künstler:innen erleben Anfeindungen. Die Diskussion machte deutlich: Kultur ist kein neutraler Raum, sondern ein gesellschaftlicher Akteur mit Verantwortung.
Auf dem Podium diskutierten Christine Streichert-Clivot, Ministerin für Bildung und Kultur des Saarlandes, Mirka Borchardt, Dramaturgin und Vorstandsmitglied des Netzwerks Freie Szene Saar, Kira Kirsch, künstlerische Leiterin des Festivals Perspectives, Edda Petri von der Neunkircher Kulturgesellschaft sowie Ulf Schmidt, Chefdramaturg des Saarländischen Staatstheaters. Moderiert wurde das Gespräch von Luca Pauer.
Ein zentrales Thema war die Frage, wie weit Kulturinstitutionen politisch Position beziehen dürfen – und müssen. Einigkeit herrschte darüber, dass Offenheit nicht bedeutet, menschenfeindlichen Positionen Raum zu geben. Die Grenze verläuft dort, wo Grundrechte, Würde und Vielfalt infrage gestellt werden.
Besonders betont wurde die Bedeutung von Zugänglichkeit: niedrigschwellige Formate, Kooperationen mit Schulen, Vereinen und sozialen Initiativen sowie Projekte außerhalb klassischer Kulturhäuser. Gerade im Saarland, mit seiner starken Amateur- und Vereinskultur, liegt hier ein enormes demokratisches Potenzial.
Deutlich wurde auch: Demokratische Kulturarbeit braucht Planungssicherheit, solidarische Netzwerke und politische Rückendeckung. Nicht kurzfristige Eventlogik, sondern langfristige Arbeit mit Menschen macht Kulturräume zu Orten der Teilhabe.
Die Botschaft des Abends war klar: Wer Demokratie stärken will, muss Kulturräume schützen – und ihnen zutrauen, Haltung zu zeigen. Offen bleiben ist kein Zustand, sondern eine Aufgabe.
Elisa Cutullè
