Zwischen zwei Welten

 

Christoph König, der jetzt in Wien lebt,  wuchs in Dresden auf und wurde im Alter von neun Jahren Mitglied des Dresdner Kreuzchores

Nach dem Studium zum Orchester-Dirigieren an der Musikhochschule „Carl Maria von Weber“, wurde er 1993 Solo-Repetitor an der Sächsischen Staatsoper. Seit 2010 ist er auch Chefdirigent der Solistes Européens Luxembourg. Mit ihnen, unter dem Label Rubicon Classics,  hat er gerade die erste einer CD Serien aufgenommen.

Wir haben ihn getroffen.

 

Das Projekt sieht mehrere Aufnahmen mit den Solistes Européennes, Luxembourg, für Rubicon Classicsvor. Wie entstand diese Zusammenarbeit?

Matthew Cosgrove, Leiter von Rubicon Classics, Managing Director des unabhängigen Plattenlabels Onyx und langjähriger Chef Manager von Warner Classics und Deutscher Grammophon, und ich trafen uns zu einem Gespräch vor zwei Jahren in London, um uns kennenzulernen und eventuelle gemeinsame Interessen auszuloten. Dabei haben wir sehr große Gemeinsamkeiten festgestellt insbesondere bei der Idee, ungewöhnliche Projekte in den Vordergrund zu stellen oder auf musikgeschichtliche Verbindungen hinzuweisen, die dem normalen Publikum üblicherweise nicht so vertraut sind. Sie müssen verstehen, dass es mir als Gast-Dirigent im internationalen Geschäft oft nur ungenügend möglich ist, auch einmal weniger bekannte Musik zu spielen. Und diese Strategie verfolge ich relativ konsequent in Luxemburg, wo ich mir vorgenommen habe, manchmal sogar im selben Konzert zwei Stücke oder Sinfonien nebeneinander zu stellen, oft eine bekannte und eine weniger bis gar nicht bekannte, um das Publikum anzuregen.

 

Die erste Aufnahmen beinhaltet Mehuls 1. Symphonie in G Minor und Beethovens Op 55 Eroica. Warum genau diese beiden Stücke? Können Sie uns mehr darüber erzählen? 

Beethovens Sinfonien sind natürlich international anerkannt und Kern Repertoire in unserem heutigen klassischen Musik leben. Was aber sehr wenige wissen ist, dass Beethoven sehr stark interessiert war an den Entwicklungen, die die Französische Revolutions-Musik genommen hat. Unter anderem kann man nachweisen, das Beethoven die Musik von Méhul nicht nur gekannt, sondern auch geschätzt hat. Wenn man das weiß, ist es umso leichter, Parallelen in der musikalischen Sprache zu entdecken; insbesondere im letzten Satz der 1 Sinfonie von Méhul sind die Anklänge an Beethoven‘sche Eigensinnigkeit in repetitiver Melodik extrem klar zu erkennen.

 

Welche Künstler werden danach  unter die Lupe genommen werden?

Da wir an einer längerfristigen Zusammenarbeit interessiert sind, ist es mir im Moment unmöglich, über alle in der Zukunft liegenden Projekte zu sprechen, aber in der unmittelbaren Planung ist eine Kombination von Schubert und Berio, und danach höchstwahrscheinlich eine Aufnahme einer Sinfonie von Franz Berwald.

 

Von Dresden über Malmö und Bonn nach Luxemburg, wie haben diese Städte künstlerisch auf Sie gewirkt?

Ich denke, man kann mit Fug und Recht behaupten, dass Dresden meine musikalische und künstlerische Heimat ist, die mir am Anfang alles gegeben hat. Malmö war meine erste Chefposition, und die Zusammenarbeit mit dem Orchester war für mich ein unglaublicher Fundus an wichtigen Erfahrungen im sinfonischen Bereich, nachdem ich vorher als Korrepetitor und Kapellmeister in Dresden und in Bonn überwiegend Opern Erfahrung gesammelt hatte. Durch meine Zeit in Malmö begann auch meine Karriere international an Schwung zu gewinnen, und die skandinavischen Länder sind traditionell näher am englischsprachigen Markt orientiert. Dadurch kommt sicher auch, dass ein Schwerpunkt meiner Tätigkeit in den englischsprachigen Ländern liegt.

 

Wie entstand ihr Wunsch Dirigent zu werden? Wer sind ihre Vorbilder?

Ich gehöre wahrscheinlich zu den wenigen Menschen, die keine wirklichen Vorbilder gehabt haben. Was ich vielleicht sagen kann, ist, dass mich bestimmte Künstler und Dirigenten auf meinem Werdegang inspiriert haben, unter anderem Carlos Kleiber, Colin Davis, Michail Jurowski und auch Pinkas Zuckerman. Ich habe ja sehr früh angefangen, auf relativ professionellem Niveau Musik zu machen, indem ich schon ab einem Alter von acht Jahren Mitglied im Dresdner Kreuzchor war, wo wir jeden Tag fünf Stunden Proben und im Grunde nur 45 Minuten Freizeit hatten. Und da gab es Assistenten aus unseren Reihen, die den Chor gelegentlich leiten durften, und ich glaube, das hatte mich damals unglaublich inspiriert und meinen Wunsch, Dirigent zu werden, entscheidend beflügelt.

 

 

Elisa Cutullè

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